Offener Brief an den Generalsekretär des PEN-Deutschland, Herrn Wilfried F. Schoeller

Von Josie Michel-Brüning und Dirk Brüning


Herrn Wilfried F. Schoeller
Generalsekretär des PEN-Deutschland
pen-germany@t-online.de

Jülich, 10.Juli 2006

"Wozu der ganze PEN?"
Politik
KOMMENTAR: Die globalisierte Welt braucht mehr denn je den Anwalt des freien Wortes, in: "Freitag", 02.06.2006;

Offener Leserbrief

Sehr geehrter Herr Schoeller,

so sehr wir Ihren o.g. Kommentar insgesamt schätzen und Ihre Ansicht teilen, dass der PEN eine öffentlichkeitswirksame Aufgabe übernehmen können sollte, wie die, politisch verfolgten Schriftstellern Hafterleichterungen zu verschaffen, wenn nicht gar zu Rehabilitation zu verhelfen, so sehr alarmiert uns Ihr in diesem Zusammenhang in einem Nebensatz erwähnte "maximo lider".
Es ging jüngst durch die gesamte Weltpresse, dass die US-Administration 80 Millionen Dollar mit einer Laufzeit von 2 Jahren zur Verfügung stellt, um in Havanna nach dem Ableben Fidel Castros eine "demokratische" Regierung zu installieren.
Für wie glaubwürdig halten Sie dieses Demokratisierungs-Anliegen?
So glaubwürdig wie das im Fall von Afghanistan, dem Irak oder Iran?
Im Falle Kubas geht es den USA z.B. um dessen Immobilien und um die Ausbeutung seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Wir befürchten, dass Sie, wie viele andere intellektuelle oder einflussreiche Europäer es mehr und mehr zu tun scheinen, Ihre Informationen aus der Desinformationskampagne der USA, z.B. aus der der "Reporter ohne Grenzen" beziehen, einer Schein-NGO, die im Dienst rechtsradikaler US-Regierungsorganisationen (NED, USAID) steht, von dort finanziert wird und deren Ziel die Diffamierung Kubas in Europa ist. Condoleezza Rice pflegt so etwas "soft revolution" zu nennen.
Die Organisation, "Reporters sans frontieres" wurde jedoch nicht zufällig 1995 gegründet, als dem US-Kongress das Helms-Burton-Gesetz (wieder einmal) vorgelegt wurde. Sie wird, wie auch die kubanischen "Dissidenten" (von denen nach kubanischer Version kaum einer ausgebildeter Journalist ist, der einzige Schriftsteller Raúl Rivera, der sich von der Mafia in Miami korrumpieren ließ, wurde längst aus dem Gefängnis entlassen) mit US-Steuergeldern [über USAID, NED] bezahlt. Ihr Ziel ist es, Kuba in den Augen Europas sturmreif zu schreiben, vgl. Diana Barahona, Mitglied der "Northern California Media Guild" [Nordkalifornischen Mediengilde] in "Guild Reporter" (www.newsguild.org) oder ausführliche Übersetzung eines Artikels des kanadischen Journalisten Jean Guy Allard dazu in Granma International vom 09.05.2005. unter http://www.miami5.de/informationen/kubaner-050509.html .
Kuba leidet nicht nur unter der US-Handelsblockade, unter Sabotageakten an seiner Wirtschaft und Landwirtschaft, sondern beklagte darüber hinaus 1999 vor der UNO 3.478 Tote und 2.099 Invalide aufgrund von Terroranschlägen aus den USA, ausgeführt von paramilitärisch ausgerüsteten exilkubanischen Gruppierungen in Südflorida, die wiederum von der CIA trainiert und unterstützt wurden und werden und außerdem unter systematischer Verunglimpfung seines nach dem Modell der Räterepublik organisierten Regierungssystems, dessen Präsident, der bis jetzt immer wieder gewählte Fidel Castro ist, vgl. Arnold August (kanadischer Autor), Democracy in Cuba and the 1997-98 Elections. Die Kubaner brauchen nur nach Haiti zu blicken, um einschätzen zu können, was ihnen blüht, wenn die "Transition for a Free Cuba" gelingen sollte.
Mittlerweile bekennen sich einige der exilkubanische Veteranen offen zu ihren terroristischen Handlungen, vgl. Miami Herald vom 22. Juni 2006 by Wilfredo Cancios, zu deutsch: "Kuba - Exil: Wir heckten Angriffspläne gegen Kuba aus. - Ein früheres Vorstandsmitglied der prominenten Anti-Castro-Gruppierung bezichtigte den Leiter der Cuban American National Foundation [Nationale Cubano-Amerikanische Stiftung] öffentlich, Angriffspläne gegen Kuba ausgeheckt zu haben." Von Wilfredo Cancio Isla, wcancio@ElNuevoHerald.com, vollständige Übersetzung unter:
http://www.miami5.de/informationen/presse-060622.html .
Wenn Günter Grass auf seiner vielbeachteten Rede vor dem PEN-Kongress auch "das heiße Eisen Kuba" nicht anfasste, so hat er doch gemeinsam mit 7 anderen Nobelpreisträgern und Tausenden von Intellektuellen und Künstlern aus den USA und der ganzen Welt den offenen Brief an den US-Justizminister Alberto Gonzales vom August 2005 unterschrieben, in dem die sofortige Freilassung von fünf Kubanern aus US-Hochsicherheitsgefängnissen verlangt wird.
Ihr "Verbrechen": sich unbewaffnet als nichtregistrierte Agenten in kubanische Exilgruppierungen eingeschlichen zu haben, um weitere Terroranschläge sowohl auf US-Bürger, Kuba-Touristen und auf ihre Landsleute zu verhindern, s. "Chronologie der Ereignisse im Fall der éCuban Five'" in der Anlage.
Übrigens handelt es sich bei den fünf seit fast 8 Jahren inhaftierten relativ jungen Männern um hochgebildete und moralisch integre Menschen, unter ihnen ist ein Dichter, ein Schriftsteller und ein Cartoonist, s. ihre Daten in der Anlage.
Der hochbrisante Fall, der von den US-Medien zunächst jahrelang totgeschwiegen wurde, ist imstande, die Doppelmoral der US-Regierung in ihrem angeblichen Kampf gegen den Terror nach "9/11" 2001 (dem gleichen Jahr, in dem die Fünf von einer eingeschüchterten Jury in Miami-Dade zu mehrfach lebenslänglicher Haft verurteilt wurden) zu entlarven, denn er beweist, dass die USA nicht nur im Ausland durch entsprechende "Interventionspolitik" den "Terrorismus züchten", wie Grass es nannte, sondern auch innerhalb der eigenen Grenzen, nämlich in Südflorida.
Was die Intellektuellen Europas nicht zu registrieren scheinen, ist, dass die fortschrittlichen Kräfte in den USA auf Unterstützung aus Europa angewiesen sind, um den zunehmenden Rechtsruck ihrer aufeinanderfolgenden Regierungen im Dienste der US-Konzerne aufzuhalten.
Bitte lesen Sie auch, was z.B. der Linguist Noam Chomsky, der Historiker Howard Zinn, der Soziologe James Petras, Juristen wie Tom Crumpacker, Claudia Morcolm, Leonard Weinglass (der Verteidiger von Antonio Guerrero, einem der Cuban Five), William Blum, ehemaliger Angehöriger des State Department, Wayne Smith, der ehemalige Leiter der Interessenvertretung der USA in Havanna etc. dazu meinen.
Schließlich wären auch die von der CIA freigegebenen und im Internet einzusehenden Geheimdokumente schon aufschlussreich genug.
Der Journalist und Autor Horst Schäfer hat sich in seinem Buch, "Im Fadenkreuz: Kuba, Mit Geheimdienstdokumenten aus US-Archiven belegt" darum verdient gemacht, sie in ihren geschichtlichen Zusammenhang zu stellen und einem breiten Publikum nahezubringen.
Der bereits oben erwähnte renommierte Rechtsanwalt Leonard Weinglass sagte bei seinem öffentlichen Auftritt zugunsten der "Cuban Five" im April 2004 in Berlin, dass beispielsweise Mumia Abu Jamal - seit weit über 20 Jahren in einer Todeszelle in Philadelphia - ohne die Hilfe aus Europa schon längst hingerichtet worden wäre.
In diesem Sinne bitten wir Sie, als Generalsekretär des PEN in Deutschland, Ihre Aufmerksamkeit auch auf die kubanischen politischen Gefangenen in den USA zu richten. Wir sind sicher, dass Sie nach Kenntnis der Sachlage, sich für die Freilassung von Gerardo Hernández, Ramón Labañino, Antonio Guerrero, Fernando González und René González einsetzen werden.
(Weitere ausführliche Informationen finden Sie unter: http://www.freethefive.org , http://www.antiterroristas.cu und auf Deutsch unter http://www.miami5.de .

Mit Hochachtung vor Ihrer verdienstvollen Arbeit,
Dank für Ihre Aufmerksamkeit
und freundlichen Grüßen

Dipl. Päd. Josie Michel-Brüning und Dipl. Ing. Dirk Brüning
Jan-von-Werth-Str. 80
52428 Jülich
Tel: 02461 - 8571
e-mail: JosieDirk@web.de

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