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Offener Brief des Komitees der Familien der Opfer von Barbados an Obama

6. Oktober 2010

Havanna, Kuba, Oktober 2010

Mr. Barack Obama
President of the United States of America

Herr Präsident,

Die Mitglieder des Komitees der Familien der Opfer der über der Küste von Barbados gesprengten Cubana Airline, einem Sabotageakt von 1976 an einem Zivilflugzeug, das mitten im Flug explodierte, was 73 Menschen an Bord das Leben kostete, u.a. das von 57 Kubanern, appelliert heute an Sie, weil der Urheber dieses Verbrechens Luis Posada Carriles in den Vereinigten Staaten lebt, wo die Behörden zögern, ihn als Terroristen, der er ist, rechtlich zu belangen.
Inzwischen hat Posada Carriles, der Mann, der die Ausführung eines solch schrecklichen Verbrechens angeordnet hat, in völliger Missachtung des Lebens, des US-Rechtssystems und gegen jeden Sinn für Menschlichkeit mit dieser Aktion geprahlt, die einen Präzedenzfall für den ersten Terroranschlag auf die zivile Luftfahrt innerhalb der westlichen Hemisphäre schuf.
Wir konnten Ihre aufrichtige und von Herzen kommende Botschaft vom vergangenen 11. September an das amerikanische Volk lesen, in der sie sagten: "... wir trauern heute mit den Familien der Toten. Wir grämen uns wegen der Ehemänner und -frauen, der Kinder und Eltern, Freunde und Angehörigen. Wir gedenken dieser neun Jahre, die nun vergangen sind - der Geburten und Taufen, Hochzeiten und Abschlussfeiern - bei denen immer ein Stuhl leer blieb."
An diesem Tag vor dem Denkmal im Garten des Pentagon sagten Sie bezüglich der Opfer von Terroranschlägen: "... Sie waren weiß und schwarz und braun - Männer und Frauen und einige Kinder aller Rassen ... Und sie wurden sinnlos und viel zu früh von uns gerissen..."

Herr Präsident, die Stühle unserer Angehörigen sind in solch tiefen Momenten wie "Geburten und Taufen, Hochzeiten und Abschlussfeiern" seit über 34 Jahren leer. Unsere Verwandten wurden sinnlos ihres Lebens beraubt, sie hatten an einer Zukunft gebaut und ihre Lebensträume verfolgt, doch ihre Träume wurden zerstört.
Am vergangenen 7. Juli traf der salvadorianische Bürger Francisco Antonio Chávez Abarca in Kuba ein. Dieser von der bolivarianischen Republik Venezuela an Kuba ausgelieferte Mann war bekennender Straftäter von Terroranschlägen in unserem Land, zu denen die Sprengung von Touristeneinrichtungen gehörten. Er ist auch für die Rekrutierung des mittelamerikanischen Terroristen verantwortlich, dessen Aufgabe es war, Terroranschläge in Kuba zu verüben. Chavez Abarca hat zugegeben, dass es Posada Carriles in Übereinstimmung mit der Cuban American National Foundation war, der sie mit Mitteln, Instruktionen und Geldern versorgte, um den Vollzug der kriminellen Taten sicherzustellen, die das Leben eines italienischen Bürgers kosteten: das von Fabio Di Celmo.
Herr Präsident, während diese bekennenden Terroristen straffrei in den Vereinigten Staaten leben, haben andererseits fünf kubanische junge Männer, deren Aufgabe es war, die Terroranschläge in Kuba und in den Vereinigten Staaten gegen die zivile Luftfahrt und andere Ziele zu verhindern, bereits zwölf Jahre einer unrechtmäßigen und grausamen Gefangenschaft in amerikanischen Gefängniseinrichtungen verbüßt. Es steht in Ihrer Macht, der Ungerechtigkeit ein Ende zu setzen und diese Männer zu begnadigen, die zu Symbolen des Kampfes gegen den Terrorismus und der erhabensten von allen Menschen hochgehaltenen Werten geworden sind.
Sie haben den Friedensnobelpreis erhalten; mögen Ihre Handlungen den Seelen der edlen Familien der Kubaner, deren Angehörige zerfetzt wurden, Frieden bringen.
Wir erbitten von Ihnen, dass Sie die US-Behörden aufgrund der gegen den Terroristen Posada Carriles vorliegenden Beweise veranlassen, ihn vor Gericht zu stellen und diesen Mörder zu verurteilen, auf dass der wahre Schuldige vieler Verbrechen an unserem Volk und unseren Schwesternationen das gesamte Gewicht des Gesetzes zu tragen habe. Falls Ihre Regierung nicht dazu bereit sein sollte, Posada Carriles als Terroristen vor Gericht zu stellen, gewähren Sie bitte seine Auslieferung an Venezuela, ein Land, das jedes Recht hat, ihn als Gesetzesflüchtigen des Rechtssystems dieses Landes zu verklagen.
Im Gedenken an Martin Luther King, Jr., einem herausragenden Sohn des amerikanischen Volkes, der 1963 sagte, "Ich habe einen Traum", haben auch wir, die Verwandten der Opfer des Verbrechens von Barbados einen Traum: Wir träumen von dem Tag, an dem der Gerechtigkeit Genüge getan wird und die Urheber solcher schrecklichen Terroranschläge für ihre Verbrechen bezahlen. An diesem Tag werden die Träume aller Menschen von dem Alptraum befreit sein, in einer Welt zu leben, in der Terroranschläge ungestraft bleiben.

Wir fordern Gerechtigkeit!

Komitee der Familien der Opfer des über der Küste von Barbados gesprengten kubanischen Flugzeuges

Deutsch: ¡Basta Ya! (jmb)

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